Skeptischer Raum

by Christoph Eisenring

artist book with
70 handdrilled holes

concept and design by
Prill Vieceli Cremers

188 pages
150 x 210 mm

limited to 300


Schweiz/Europa




Nimmt man diesen Ausstellungskatalog von Christoph Eisenring mit dem Titel Skeptischer Raum in die Hand, so hat man es vorerst mit einem Objekt zu tun, das seine Funktion als Informationsträger zu unterlaufen scheint und seine physische Beschaffenheit in den Vordergrund stellt. Es ist nicht so, dass die Texte fehlen würden, denn diese sind mit einer sorgfältig ausgesuchten Schrift akkurat gesetzt. Die Bebilderung, die man zur Illustration dieser Schau erwarten würde, fehlt gänzlich, doch dann erfährt man, dass das Hauptelement der Ausstellung erst nach Einbruch der Dunkelheit begehbar ist. So ist dieses Fehlen von Bildmaterial nicht weiter verwunderlich. Die 70 gleichgrossen Löcher, die in regelmässigen Abständen durch das Buch gebohrt sind, rücken das Buch als Objekt ins Zentrum. Wahrscheinlich achtet man durch die runden Leerstellen mehr als sonst auf Volumen und Material, auf einzelne Elemente, wie die Haptik des Papiers, die Einfärbung am Schluss des Bandes oder das farbige Einlageblatt. Die Löcher durchdringen die ganze Publikation und zugleich wirken sie auf den einzelnen Buchseiten wie formale Setzungen, auf der gleichen Ebene wie Buchstaben, Satzzeichen und Seitenzahl. Ohne Hierarchie wird je-dem Element seine Wichtigkeit beigemessen. Die Lesbarkeit des Textes ist durch die Lochung stark eingeschränkt –– und dieses Wissen mutet beim Schreiben auch etwas seltsam an –, jedes Wort weist Leerstellen auf. Gelingt es, diese Irritation zu überwinden und mit der Lektüre zu beginnen, so mag es verwundern, wie gut der Text dennoch
lesbar bleibt und wie die Worte unweigerlich gedanklich vervollständigt werden. Die primäre Funktion eines Buches als Vermittler von Inhalten ist hier eingeschränkt, aber nicht aufgehoben. Der Künstler hat zusammen mit den Grafikern Prill Vieceli Cremers eine überzeugende visuelle Sprache gefunden, um die Grenze zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem aufzuzeigen und subtil zu reflektieren. Auf diese Weise nähert man sich der Arbeit Eisenrings und dem Ausloten dieser Grenze nicht bloss durch
erläuternde Texte, sondern durch eine eigene reale Erfahrung mit dem vorliegenden Buch-Objekt.